trans ‘n’ teuto
in Die Eisenteilchen, Trainingsausritte, Veranstaltungen
5.00h - der Wecker klingelt gefühlte 20 Minuten nachdem ich eingeschlafen bin. Gut dass ich meine Sachen nicht erst gestern abend gewaschen aber alles gestern abend gepackt habe. Mein Gehirn bleibt liegen, mein müder Körper schleppt sich unter die Dusche und verkraftet einen großen Pott Kaffee ohne davon groß Notiz zu nehmen oder merklich wacher zu werden.
Auf dem Weg zum Fahrradkeller fällt mir ein, dass es draussen dunkel sein wird -also wieder hochgeklappert und die Lichter geholt.
Auf dem Weg zum Bahnhof fällt mir dann ein, dass jetzt irgendwas anderes fehlt - also zurück und den Helm geholt.
Auf dem Weg zum Gleis fällt mir ein, dass ich nicht weiß auf welches Gleis ich muss - also Ben anrufen. Der hat schon längst Angst, dass ich es nicht rechtzeitig schaffe - aber Pustekuchen; ich habe sogar Tickets für alle dabei.
6.02 Abfahrt von MS Hbf nach Hörstel…
Auf dem Gleis treffe ich auf Ben und Kristof, der seinen Arm merkwürdig hebt und mir anscheinend irgendwas Interessantes zeigen will. Ich schaue auf seine Handschuhe und denke, toll, Handschuhe. Erst dann bemerke ich, dass er seinen leicht blutenden, linken Arm meint.

Kristof hat sich am Vorabend das Rad von Ben (das Santa Cruz Chameleon 69er) ausgeliehen und gleich morgens auf dem Weg zum Bahnhof damit einen Trick probiert. Und es hat auf Anhieb geklappt - das Bike so nach rechts vorne und Kristof so nach schräg links auf den Asphalt. Prima. Neben seinem Arm ist auch das linke Bein unter dem Knie etwas lädiert. Kristof ist peinlich berührt - zu Unrecht. Ich gebe ihm (auf seinen Wunsch hin) meine mitgebrachten Schienbeinprotektoren. Das kann ja was werden…
Als wir in Hörstel auf dem Parkplatz ankommen, an dem die diesjährige Transteuto beginnen soll, sehen wir einige (Wurf-)Zelte und maximal 15 Starter. Ein paar Belgier haben anscheinend da übernachtet. Da es keine Genehmigung für das Rennen gibt, gibt es auch kein Rennen (offiziell) und so sieht es auch aus. Ein kleiner Haufen von MTBern trifft sich verschlafen zum fahren.
Um 7.00h geht es dann los: Keine Rede, kein Startschuss, keine Zeitnahme, kein Applaus. Kristof und Ben führen nach kurzer Zeit (ca. 1min) das Feld, ich muss hinter einem Schalter warten, der gleich am ersten Anstieg Probleme mit seiner Schaltung (sic!) hatte.
Mein Team schimpft mich aus, weil sie auf mich warten und so die Führung abgeben mussten. Egal, das war nicht das letzte Mal, dass die beiden auf den Schwächsten im Team warten mussten und außerdem hatten wir uns ja vorgenommen die Transteuto „nur“ bis nach Bielefeld zu fahren.
Wir werden unterwegs von zwei lustigen Belgiern gefilmt, die uns dann aber irgendwann einfach überholen. Zur Strafe haben wir sie dann bei unserem nächsten Zusammentreffen einen von der Strecke abweichenden Dornendownhill runtergeschickt, der es in sich hatte und eigentlich unfahrbar war. Wir sind dann dummerweise hinterher: Ben hat die Belgier gescheucht, Kristof seine Armwunde unter Zuhilfenahme von Dornenbüschen verschlimmert und ich bin mit dem Rucksack an einem Ast hängengeblieben, habe mir eine mittelschwere Hodenprellung zugezogen und einen Dorn durch den Mantel meines Hinterrads gejagt - endlich mal ein Reifenwechsel.
Wir hatten keine passende Pumpe zu meinem Schlauch und Kristofs Ersatzschlauch hatte ein defektes Ventil, was uns nach ca. 800 Schlägen mit der Mini-Topeak Pumpe aufgefallen ist. Ben half aus - wir Amateure…
Deftig ausgekühlt ging es weiter. Wir haben irgendwann kurz auf einer Bank oberhalb des Schollbruchs bei Lengerich eine erste Pause eingelegt und gefuttert was der Rucksack hergab und sind weiter. Immer wieder haben wir uns vorgerechnet, dass das alles echt gut zu schaffen ist und jetzt bloß echt mal Kilometer reißen müssen - gesagt, getan.
Als der Getränkevorrat leer war, hat mir Kristof im angesteuerten (nur über einen Fahrstuhl zu erreichenden!) Edeka in Bad Iburg gezeigt wie ein echter Sportler einkaufen geht:
Laugenbretzel von wegen Elektrolyte und dann Wasser, Cola, Apfelschorle, Bananen und Schokolade (um das Team bei Laune zu halten).
Dann haben wir noch eine Kaffeepause im Ortskern eingelegt. Bad Iburg knows how to party:
Wir langweilen uns hier in der (Provinz)hauptstadt zu Tode und da steppt der Bär - Jugendfeuerwehrtreff, RTF, Spielmannzugtreffen, Trek-Riemenantrieb SSP Räder im Schaufenster und Weinfest - Jungejunge, Landleben ist das neue Großstadtflair.
Während der Spielmannzug „irgendwie, irgendwo, irgendwann…“ von Nena neu interpretiert, erzählt Kristof, dass er mal mit Jürgen Drews auf der Bühne zusammen ein Medley zum besten gegeben hat - wir sind schwer beeindruckt.
Genug Spaß gehabt - wir müssen Kilometer machen, echt jetzt!
Also weiter - Colamixgetränke haben wir jetzt ja genug dabei.
Wir machen also Kilometer für Kilometer, Höhenmeter für Höhenmeter, kommen ab vom Pfad, finden durchs Unterholz wieder zurück, Ben und Kristof werden von zwei Wander-Girls angebaggert während ich mich hinter einem Gebüsch verstecke (Die sollen auch mal ‘ne Chance haben - außerdem war ich zu kaputt um meine Plauze einziehen zu können…). Wegen den Girls können wir dann auch nicht wieder umkehren, nachdem wir uns verfahren hatten - das wäre zu peinlich gewesen.

Wir surfen geile Trails, ballern Downhills runter, schieben Anstiege hoch, haben Spaß, schimpfen auf die Rampen oder den Reiseführer und fliehen vor dem Gewitter erneut erfolgreich über die Grenze nach Niedersachsen.
Schon recht kaputt machen wir ein paar Kilometer auf der Bundesstraße 17km vor Bielefeld, entscheiden uns dann aber vor Werther wieder in den Wald zu fahren (Straßen sind für Mädchen, über’n Acker und so, ihr wisst schon…).
Ich werde mindestens 20mal mit demselben Trick bei Laune gehalten: „Los, letzer Anstieg. Dann fahren wir nur noch runter…“ Und jedes Mal wünsche ich mir mehr, die dreisten Lügen glauben zu können.
Dass Kristof saugut im Training ist und ich das Gegenteil von gut im Training bin zeigt sich immer mehr.


verächtliche blicke

praktisch, wenn man die spucktüte auf dem kopf dabei hat…
Irgendwann haben wir es dann tatsächlich geschafft. Ab nach’n Hauptbahnhof. Auch ein einsetzender Wolkenbruch kann uns nicht mehr aufhalten. Den Zug um 17.59 bekommen wir noch.
Hätten wir gewusst, was uns im Zug erwarten - wir wären zurückgeradelt.
Wohin man auch sah - Junggesellen/innen-Abschiede!!!
Ich kaufe einer jungen Braut einen Wodka-Lemon ab, stürze ihn sofort runter und bekomme noch ein Bussi. Ben und Kristof reden sich raus - das war schlauer. Ben, der auf dem Hinweg noch meinte, dass Zugfahren voll dufte sei und es auch voll schön im Zug wäre, war spätestens jetzt von seiner verklärten Sicht der Dinge befreit. Wir haben dann noch einen echt netten Typen im Zug kennengelernt, der uns unterstellte, wir würden nur Analverkehr mit der jungen Braut haben wollen, so wie er. Ben entglitten die Gesichtszüge, Kristof war offensichtlich ebenso unangenehm überrascht und ich war zum Glück schon besoffen. Mittlerweile glauben wir, dass das Uwe Wöllner a.k.a.Christian Ulmen war. Was der noch so abgelassen hat und wie er aussah - unbeschreiblich.
Jungejunge - war das ein schöner Tag.
Transteuto Teilstück
Dorsic und ich sind gestern Nachmittag (geschaltet) ein Transteuto Teilstück gefahren! Waren nur 62 km! Die ganze Strecke (ca. 140 km) wird richtig weh tun. Aua Aua. Vielleicht sollten wir da die eine oder andere Bergkuppe umfahren. Am Fuße des Teutos gibts auch sehr schöne flowige Trails, wie wir auf dem Rückweg herausgefunden haben. :-))